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rent a bee
08.03.14, 12:51
Beitrag: #1
rent a bee
In Österreich gibt es seit heuer die Möglichkeit, einen Bienenstock mit Jungvolk für zwei Monate zu mieten. Diesen darf man sich dann für den Preis von 160,- Euro in seinen Garten bzw. auf seinen Balkon stellen. Danach muss man ihn zurückgeben, aber man bekommt 5 Kilo Honig oder darf selbst versuchen, den zu ernten.

Was haltet ihr ImkerInnen denn davon?

Liebe Grüße, Barbara

7b, lehmiger Boden, pannonisches Klima
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08.03.14, 13:10
Beitrag: #2
RE: rent a bee
Davon halte ich gar nichts, wenn es Amateure sind, die von Imkerei keine Ahnung haben. Solch ein Volk braucht die Betreuung durch einen Imker, der notfalls eingreifen kann, wenn er merkt daß was schief läuft. So wie ich letztes Jahr nach der verregneten Obstbaumblüte eines meiner Völker durch eine Notfütterung vor dem Verhungern rettete. Solch ein Mieter eines Volkes muß durch einen erfahrenen Imker begleitet werden, der jederzeit bei Fehlentwicklungen gegensteuern kann.

Liebe Grüße,

Martin

Gärtnern ist Leben!
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08.03.14, 13:19
Beitrag: #3
RE: rent a bee
Danke Martin! Es soll zwar telefonische Unterstützung durch den Vermieter geben, aber das scheint mir auch zu wenig angesichts der Tatsache das man da die volle Verantwortung für Lebenwesen hat. Da bleibe ich lieber beim Fördern von Wildbienen.

Liebe Grüße, Barbara

7b, lehmiger Boden, pannonisches Klima
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10.03.14, 09:16
Beitrag: #4
RE: rent a bee
Hallo Martin,
ich lasse Deine völlig korrekten Argumente mal so stehen.
Ich finde den Preis für das "Ausleihen" einfach unverschämt. Kosten / Nutzen liegen meilenweit voneinander entfernt.

Mein Name ist Programm...
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10.03.14, 11:00
Beitrag: #5
RE: rent a bee
wenn das einen kurs in bienenhaltung und betreuung über die standzeit mit beinhalten würde, könnte ich das gut finden.
auf irgend eine weise müßte man ja herausfinden, ob man überhaupt dazu geeignet ist, bienenvölker zu versorgen. es ist ja doch eine sehr komplexe aufgabe und die anforderungen sind hoch, will man den Tieren gerecht werden.
aber einfach nur auf gedeih und verderb dort abstellen zeugt von wenig verantwortungsbewußtsein.
wenn schon, dann müßte entweder der besitzer die pflege sicherstellen oder aber dem "leih"imker eine intensive Begleitung über diese zeit angedeihen lassen. zum wohle der ihm anvertrauten Lebewesen.

Wer früh aufstihd frißt si orm
Wer lang lingbläbt steggt schö worm


Lady Prunella
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10.03.14, 22:12
Beitrag: #6
RE: rent a bee
(10.03.14 09:16)mulchmann schrieb:  Hallo Martin,
ich lasse Deine völlig korrekten Argumente mal so stehen.
Ich finde den Preis für das "Ausleihen" einfach unverschämt. Kosten / Nutzen liegen meilenweit voneinander entfernt.

Hallo mulchmann,

Auf den Preis hab ich zum Zeitpunkt meiner Antwort gar nicht geachtet, weil mir als Imker das Wohl der Bienen einfach erstmal das wichtigste war. Natürlich ist dieser Preis Wucher. 160 € Miete würde bei einem Honigpreis von 5 €/Pfund 16 kg Ernte entsprechen. 5 kg Honig garantiert bei Rücknahme des Volks bedeutet 50 € minus pro Volk. Bleiben 110 € übrig. Dafür kann sich der Imker nicht nur ein neues Ablegervolk kaufen, sondern ein starkes Wirtschaftsvolk oder zwei Ablegervölker.

rhabarbarum schrieb:Danke Martin! Es soll zwar telefonische Unterstützung durch den Vermieter geben, aber das scheint mir auch zu wenig angesichts der Tatsache das man da die volle Verantwortung für Lebenwesen hat. Da bleibe ich lieber beim Fördern von Wildbienen.

Telefonische Unterstützung kannst Du vergessen! Das habe ich zwar auch schon in Anspruch genommen, aber als informierter Anfänger, der mit einer akuten Situation überfordert war und wo dann ein idealistischer Imkerfreund sofort persönlich auf der Matte stand. Jedes Volk muß immer unter Kontrolle eines erfahrenen Imkers stehen. Ein Laie, der ein Volk zwei Monate im Garten stehen hat, hat keine Ahnung was er machen muß, wie welcher Zustand des Volkes zu bewerten ist, was man in welchem Fall zu machen hat, usw.
Ich gehe sogar soweit, daß ich einen Imker, der solch ein Mietangebot macht, als völlig geldgierig und verantwortungslos bezeichnen würde. Jeder Imker, dem seine Bienen halbwegs was bedeuten und der sich in der Verantwortung für sie sieht, würde kein Volk in die Obhut von Laien geben, und die dann nur telefonisch unterstützen!

Acinos Arvensis schrieb:wenn das einen kurs in bienenhaltung und betreuung über die standzeit mit beinhalten würde, könnte ich das gut finden.

Genau! Aber das darf sich nicht nur auf zwei Monate beschränken! Ein Kurs geht bei uns im zeitigen Frühjahr los, umfasst einige Abende Theorieunterricht bevor die Praxis losgeht und mit der Praxis, wenn die Anfänger an den Völkern arbeiten, ist ganz schnell ein halbes Jahr vorbei. Ich bin sowieso der Meinung, daß Anfänger, die mit der Bienenhaltung anfangen wollen, mindestens ein Jahr unter mehr oder weniger intensiver Betreuung stehen sollten, eben einen Imkerpaten haben sollten. - Hatte ich nicht, weil ich bis zur Übernahme meines ersten Volkes so intensiv gelernt habe, daß ich auch meinen eigenen Weg gehen konnte, der im hiesigen Umfeld völlig unüblich war und ist, mir aber als der beste erschien. Inzwischen hat sich dieser Weg für mich bestätigt und ich bin froh, mir zuerst gründlichst selbst eine Meinung gebildet zu haben, bevor ich Kontakt zum lokalen Imkerverein aufnahm.

Ein Kurs in Bienenhaltung ist gut und wichtig; noch wichtiger erscheint mir aber einfach eine Infektion mit dem Imkervirus! Interesse haben, fasziniert sein von den Bienen, hungrig sein nach Informationen, Wirtschaftsweisen ohne Beeinflussung lokaler Gegebenheiten vergleichen, uvm. Fast jeder Imker wechselt im Laufe seiner Karriere mindestens einmal die Betriebsweise, weil einfach jeder erst seinen Weg finden muß, weil vielleicht auch der lokale Imkerverein mehrheitlich eine Betriebsweise vertritt, die man irgendwann nicht mehr akzeptieren kann.

Aber Bienen vermieten würde für mich gar nicht gehen! Weil mir ihr Wohl wichtig ist, muß ich jederzeit Zugriff auf jedes meiner Völker haben! Ich könnte Anfänger unterstützen, aber ich würde weder für Laien noch Amateure die Kontrolle über eines meiner Völker komplett abgeben.

Und damit genug für heute!

Liebe Grüße,

Martin

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10.03.14, 23:06
Beitrag: #7
RE: rent a bee
In unserem neuen Dorf wohnt auch ein Imker, der Bienenvölker "verleiht". Allerdings kümmert er sich die ganze Zeit selbst um die Völker, die dort das ganze Jahr stehen.
Die Bauern, die sich Bienenvölker leihen, brauchen sie als Befruchter für ihre Streuobstwiesen. Sie werden am Ertrag beteiligt. Ob sie etwas bezahlen, weiß ich aber nicht.

Liebe Grüße, Mechthild

Und Gott pflanzte einen Garten in Eden, und setzte den Menschen hinein...
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11.03.14, 21:59
Beitrag: #8
RE: rent a bee
(10.03.14 23:06)Unkrautaufesserin schrieb:  In unserem neuen Dorf wohnt auch ein Imker, der Bienenvölker "verleiht". Allerdings kümmert er sich die ganze Zeit selbst um die Völker, die dort das ganze Jahr stehen.
Die Bauern, die sich Bienenvölker leihen, brauchen sie als Befruchter für ihre Streuobstwiesen. Sie werden am Ertrag beteiligt. Ob sie etwas bezahlen, weiß ich aber nicht.

Liebe Grüße, Mechthild

Das, liebe Mechthild, verstehe ich nicht unter Verleihen. Wenn die Völker das ganze Jahr dort stehen und sich der Imker selbst drum kümmert, ist das kein Verleihen, sondern es ist ein Standort des Imkers. Jeder ernsthafte Imker hat nicht nur einen, sondern zwei oder mehrere Standorte, die mindestens drei, vier Kilometer voneinander entfernt sein sollten. Bevorzugt werden natürlich Standorte, wo es auch Tracht gibt, aber das ist in dem von Dir geschilderten Fall ein Win-Win-Geschäft: Dem Obstbauern werden die Blüten bestäubt und der Imker kann zum einen mehr Honig ernten und zum anderen Ablegervölker in ausreichender Entfernung zum Heimstand aufstellen. Ist die Distanz zu nah, finden Arbeiterinnen eines Ablegervolks in ihr Herkunftsvolk zurück und der Ableger blutet aus.

Mir selbst fehlen derzeit weitere Standorte. Ich habe zwar Angebote, wo ich Ableger aufstellen könnte (bei anderen Imkern), aber ein zweiter Dauerstandort wäre mir auch recht (langfristig). Im Moment, mit nur fünf Völkern, kann ich bei Bedarf aber gut improvisieren.

Liebe Grüße,

Martin

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