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Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Druckversion

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Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Martin - 10.12.11

"Außerdem finde ich, dass da jetzt mal so ein Strang eröffnet werden kann, so nach dem Motto, was braucht man eigentlich und wie fängt man an???" (CarpeDiem)


Wie fängt man Imkern an? Indem man Interesse für die Bienen entwickelt! Ich war familiär vorbelastet, Opa und Onkel hatten viele Jahrzehnte lang Bienen hinter meinem Elternhaus stationiert, die in meiner Kindheit zudem noch sehr stechfreudig waren, was mich sehr negativ vorbelastet hatte. Ich erkannte das aggressive Summen einer angriffslustigen Biene sofort und reagierte bei entsprechender Nähe mit Panik und Flucht. Infolge dessen hätte in meiner gesamten Verwandtschaft nie jemand auch nur einen Cent drauf gewettet, daß ich jemals imkern werde.
Doch die familiäre Prägung war da, ein Krauterertreffen weckte das Interesse, das Angebot zu einem Imker-Schnupperwochenende war dann die Initialzündung. Ich begann Informationen aufzusaugen!
Und das ist für mich die erste Grundregel: Wer Imkern will braucht theoretisches Wissen. Ein Anfängerkurs ist ja gut und schön, vermittelt aber meiner Meinung nach zu wenig. Wenn das Feuer brennt, das Interesse geweckt ist, sind Kursstunden nur Zutat. Ich habe in Büchern gebüffelt, in Internetforen gestöbert und meinen Weg selber gesucht. Denn ich wußte ja schon: Es gibt viele Möglichkeiten zu Imkern, viele unterschiedliche Betriebsweisen und jeder Imker muß seinen persönlichen Weg finden und gehen.
Ich entschied mich für eine Betriebsweise, die in meiner Region eher selten ist: Dadant-Magazine und die Buckfast-Biene. Ich wollte das Optimale, nicht das Übliche!
Mein Vorteil war, daß ich ein halbes Jahr Zeit hatte, um zu lernen. Ich habe im Oktober begonnen, mich zu informieren, habe mich im Dezember für Dadant-Magazine entschieden und für die Buckfast-Biene und bekam im April mein erstes Volk.
Ohne theoretisches Wissen sollte niemand in die Praxis einsteigen! Dann lieber ein Jahr warten und lernen!
Oft wird empfohlen, sich einen Imkerpaten zu suchen, bei dem man die Praxis lernen kann und der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich habe keinen Paten, sondern nur einen Bekannten, den ich im Notfall fragen kann, sowie mehrere Internetforen, wo ich bei Problemen schnell Antworten bekomme. Es geht auch ohne Paten, falls man keinen findet oder will (wie ich).
Ist dann erst mal das theoretische Grundwissen über Bienen und Imkerei vorhanden, kann der praktische Einstieg beginnen, was mit erheblichen finanziellen Investitionen verbunden ist. Darüber dann an anderer Stelle mehr.

Vor dem Einstieg wichtig ist die Standortfrage: Wo stellt man die Bienen auf? Im Hausgarten könnten sich Nachbarn gestört fühlen. Im Schrebergarten geht das eher, wenn Bestäuber erwünscht sind. Auf dem Land mit grüner Agrarwüste ringsum ist Imkern weniger erfolgsversprechend, als in der Stadt, wo irgendwo immer etwas blüht - Parks und Gärten bieten inzwischen viel mehr Nektar und Pollen, als Wiesen und Felder, wo Blühendes entweder totgespritzt oder vor der Blüte schon gemäht wird. Zudem wandern manche Imker mit ihren Völkern dorthin, wo gerade etwas blüht, um mehr Honig zu ernten. Ich wandere nicht, das ist mir zu aufwendig, zumal ich ja keine Honigmassenerträge gewinnen will, sondern nur den Eigenbedarf decken und durch den Verkauf der Überschüsse die entstandenen Kosten im Laufe der nächsten Jahre wenigstens teilweise wieder hereinholen will.

Soweit in aller Kürze zu den theoretischen Voraussetzungen eines Einstiegs in die Imkerei.

Liebe Imkergrüße,

Martin

PS.: Fragen? Immer her damit!




RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Pünktchen - 14.12.11

Hallo Martin,

ich habe noch nie gehört, dass Bienen früher stechfreudiger waren als heutzutage.
Waren das andere Rassen -sagt man so bei Bienen?-, wurde die Friedfertigkeit durch Züchtung erreicht? Zufall?
Bin gespannt auf deine Antwort.

Pünktchen


RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Martin - 14.12.11

Hallo Pünktchen,

Natürlich gibt es auch bei Bienen Rassen. Guckst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Rassen_der_Westlichen_Honigbiene

Doch, es stimmt: Früher waren die Bienen stechfreudiger als heute. Die Rassen waren züchterisch noch nicht so sehr bearbeitet wie heute. Bis in die sechziger Jahre war bei uns die Dunkle Biene, Apis mellifera mellifera flächendeckend verbreitet, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Dann wurde sie in Deutschland fast komplett durch die Kärntner Biene, Apis mellifera carnica ersetzt. Die Bienen meiner Kindheit flogen noch in hundert Meter Entfernung vom Bienenhaus scheinbar völlig grundlose Angriffe auf Menschen. Seit damals wurden alle Rassen mehr oder weniger auf Friedfertigkeit selektiert, so daß heute die verbreitetsten Rassen weit friedlicher sind, als damals. Entsprechend arbeiten heute viele Imker oft ohne Schutz an ihren Völkern.
Ich habe mir die Buckfast-Biene ausgesucht, die als noch etwas sanftmütiger als andere Rassen gilt, arbeite aber dennoch mit Stechschutz, weil ich geprägt durch meine Jugend früher regelrecht Panik vor aggressiven Bienen hatte, und heute mit Schutz einfach viel ruhiger bin. Die Gefahr, bei einem Stich eine mit Bienen vollbesetzte Wabe fallenzulassen, will ich von vornerein ausschließen. Mein Bekannter, der nicht nur Bienenhalter, sondern auch Züchter ist, geht in kurzer Hose und T-Shirt zu den Völkern, öffnet die Beuten und arbeitet an den Völkern ohne daß ihm was passiert.
Beim Anfängerkurs hatten wir drei Völker, von denen zwei eindeutig Carnica-Bienen waren, während das dritte sofort als Buckfast-Mischling erkennbar war. Daß dieses Mischlingsvolk beim Arbeiten wesentlich friedlicher reagierte, als die beiden anderen, fiel allen Anwesenden auf.
Meiner Schätzung nach dürften bei uns in der Gegend etwa 70 % Carnicas sein, die unser Verein auch offen priorisiert. Tatsächlich ist die Buckfast auf dem Vormarsch. Die Dunkle Biene und andere Rassen gibt es zwar in Deutschland auch noch, sie spielen aber keine große Rolle.

Liebe Grüße vom Buckfast-Imker

Martin


RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Brigitte - 14.12.11

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RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Martin - 15.12.11

Hallo Brigitte,

Die Carnica gilt als die "Graue", noch dunkler ist die "Dunkle", fast schwarz. Wahrscheinlich meinst Du die Apis mellifera ligustica, die auch vereinzelt in Deutschland anzutreffen ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Biene Allerdings muß ich gleich dazu schreiben, daß die Buckfast zwar häufig diesen hellen Hinterleibsring hat, aber nicht immer. Es kommt darauf an, was sonst noch eingekreuzt ist, denn den Buckfastimkern sind die Eigenschaften wichtiger als die Optik. Meine Königinnen wurden gezielt in Richtung Sanftmut, Sammelfleiß und ein paar andere Eigenschaften selektiert, da wurde auch die anatolische Biene eingekreuzt, so daß das Erscheinungsbild der Arbeiterinnen mehr an die Carnica, als an die klassische Buckfast erinnert. Wie sich meine Völker mit den neuen Königinnen entwickeln, werde ich nächstes Jahr sehen. Vier meiner fünf Völker haben seit diesem Herbst junge Zuchtköniginnen, die auf Belegstellen quasi rassenrein begattet wurden, das fünfte Volk hat eine Königin, die aus der gleichen Zucht stammt, aber bei mir vor Ort standbegattet wurde, die Arbeiterinnen sind also wohl großteils Buckfast-Carnica-Mischlinge.

Wütende Bienen erkenne ich sofort am schrilleren Summton, da gibts nen deutlichen Unterschied zum friedlichen Summen. Wenn man gestochen wird, sollte man aufpassen, dann drohen weitere Stiche anderer Bienen. Sie riechen das Gift, man ist damit quasi markiert und dann stürzen sich noch mehr auf den Feind. Dazu eine kleine Geschichte:
Im letzten Herbst machte ich einen Fehler bei einem Ableger, der dem Volk das Leben erschwerte. Bei der Frühjahrsdurchsicht meiner Völker entdeckte mein Bekannter diesen Fehler und korrigierte ihn, allerdings wurde er dabei von fünf Bienen gestochen - absolut untypisch für Buckfast. Anschließend ging er zu seinen Völkern, wo alles in Ordnung war. Weil die aber das Bienengift an ihm rochen, wurde er noch einmal von zwanzig bis dreisig Bienen gestochen, so daß er völlig ungewohnt die Flucht ergreifen mußte.
Mein Ableger, dessen Probleme mit meinem Fehler beseitigt waren, veränderte über Nacht sein Verhalten. Als ich ihn am nächsten Tag nochmals durchsah, waren alle Bienen lammfromm und keinerlei Aggression zu bemerken. Merke: Stiche können durchaus auch auf Imkerfehler zurückzuführen sein.

Liebe Grüße,

Martin


RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - bastiro - 15.12.11

Auch mein Großvater hielt Bienen,
damals war ich aber erst 3-5 Jahre alt. Etwas später zog er dann auf seinen Alterssitz, wo er nicht mehr imkern konnte und auch nur noch 1-2 Jahre lebte. Aber auch ich erinnere mich noch gut an die damals recht stechfreudigen Bienen, vor denen wir Kinder so manches Mal ausgerissen sind. (Manches mal dennoch mit einigen Stichen):undecided:
Schon ein Jammer, dass er so früh starb, sonst hätte ich von kleinauf viel mehr über Bienen und alle möglichen Haustiere gelernt.
Sebastian


RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Brigitte - 15.12.11

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RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Brigitte - 21.05.12

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RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Martin - 21.05.12

(21.05.12, 00:49)Brigitte schrieb:  Hallo Martin,
magst du Adressen einiger dieser Foren hier veröffentlichen?
Ich würde gern mal still mitlesen. Und auf das Ländlaif-Imkerforum habe ich nicht so viel Lust...

liebe Grüße
Brigitte

Hallo Brigitte,

Abgesehen vom ländlaif-Imkerforum, wo ich zwar angemeldet bin, aber nur sehr selten reinschaue, bin ich in drei Foren Mitglied, derzeit aber auch nur mehr oder weniger sporadisch aktiv.

Hier http://www.imkerforum.de/forum.php ist das größte Forum, mit über 6000 Usern, mir allerdings etwas zu anonym, unpersönlich. Da bin ich derzeit kaum noch.

Hier http://www.einfachimkern.de/portal.php ist ein sehr sachbezogenes kleines Forum, das ich gern mag, mit derzeit 426 Mitgliedern, in dem ich aber trotz noch überschaulicher Größe kein Wohnküchen-Feeling empfinde.

Und hier war ich am aktivsten: http://www.bienenforum.com/forum/forum.php Heute 684 Mitglieder, letztens über 2000. So wie es aussieht, wurde die Mitgliederliste radikal bereinigt (ging an mir vorbei), alle gemeldeten Mitglieder ohne geschriebenen Beitrag scheinen gelöscht worden zu sein. Hier sah ich die Gefahr, daß aufgrund zu schnellen Wachstums alles unpersönlicher wird, aber der Forenbetreiber scheint wohl die Notbremse gezogen zu haben. Da muß ich mich erst mal reinlesen, was da passiert ist. Ich hab mich da aber immer am wohlsten gefühlt und ich denke, daß das so bleibt.

Mehr fallen mir grad nicht ein, bzw. mehr haben mir bei meiner Suche nicht ausreichend gefallen, als daß ich daran hängengeblieben wäre.

Liebe Grüße,

Martin


RE: Imkern für Anfänger! Teil 1: Theorie - Brigitte - 22.05.12

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