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Bienensterben - Druckversion

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RE: Bienensterben - Cornelssen - 02.10.18

(02.10.18, 10:17)Brigitte schrieb:  In deinem Ausgangspost hattest du den Gerichten Gefälligkeitsurteile unterstellt. Um Bayer zu schaden etc.
Das finde ich fragwürdig, wenn man keine anderen Anhaltspunkte hat, als die Frage "cui bono".
Außerdem sind Gerichtsurteile keine Studien.

Ich denke, daß es grundsätzlich sinnvoller wäre, sich die Kritik an Studien anzuschauen, als darauf zu achten, ob sie die eigene Überzeugung stützen.

Gefälligkeitsurteile - nun ja: "America first!" ist nicht meine Devise, mir aber schon in den 1990ern und zu Beginn dieses Jahrhunderts im Umgang mit universitären US-Institutionen öfter begegnet. Zu oft, um sie noch für eine Ausnahme zu halten. Das würde ich nicht eo ipso als Gefälligkeit bezeichnen: das scheint in USA eine Art Grundhaltung zu sein.

Und: Nein, Gerichtsurteile sind keine Studien, stützen sich aber bei Bedarf auf Studien, auch auf solche, die als wissenschaftlich bezeichnet werden. Und da kommt es ein ums andere Mal darauf an, welche Studien das Gericht für das Urteil heranzieht und welche nicht. Darauf habe ich angespielt.

Inse


RE: Bienensterben - vanda - 11.02.19

Ich bin gerade auf einen älteren Artikel aus UK gestoßen.
Irgendwo hatte ich es auch schon mal erwähnt, dass man beim Kauf von Zierpflanzen aus Gartencentern und Baumärkten damit rechnen muss, dass diese mit Pestiziden und Fungiziden belastet sind. In UK wurde dazu eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, die sehr erschütternde Ergebnisse ans Licht brachte, nämlich dass ein Großteil der mit dem Etikett "pollinator friendly" versehenden Verkaufspflanzen so stark mit einem ganzen Cocktail aus Neonicotinoiden und anderen Pestiziden belastet waren, dass Gartenbesitzer damit unwissentlich ihre Bienen vergiften, statt sie zu fördern.

Hier ist ein Interview (englisch) mit einem der Initiatoren der Studie, dem führenden Insektenforscher Dr. Dave Goulson: Pesticide Roulette
Hier gibt's die Originalstudie als pdf.

Es ist zu befürchten, dass das in Deutschland im Grunde nicht anders ist, aber das Thema bisher auch nicht wirklich in der Öffentlichkeit angekommen ist.


RE: Bienensterben - Anjoli - 11.02.19

Ich habe hier nicht alles gelesen.

Nur, zu dem letzten Beitrag von Vanda:
Ich habe an unsere Landwirtschaftsministerin in NRW, Frau Heinen-Esser, eine mail geschrieben.
Grund: ich hörte sie in einer Gesprächsendung in WRD 5.
Dort rief eine hauptberufliche Imkerin aus dem Kreis Höxter an, also von dort, wo ich wohne. Sie beklagte den Niedergang der Grünstreifen neben den Feldern. Es wüchse dort nur noch hartes Gras, von Artenvielfalt könne keine Rede mehr sein.
Ich kenne es, seitdem ich hier wohne, und ich sehe es mit Schrecken. Die Randstreifen überall hier werden von Bauern mit Pestiziden "mit"besprüht, das einzige, was danach nur noch wieder hochkommt, ist hartes Gras.
Witzig: kaum wechsele ich 10 Kilometer rüber nach Hessen, ist es dort anders! Dort ist die Flora auf den Randstreifen, auch neben den Straßen, noch besser intakt.
Jedenfalls, in dem Gespräch bei WRD 5 ( zwischen Frau Heinen Esser und der Imkerin) drehte es sich dann um das sogenannte "greening". Das sind bunte Randstreifen bei Feldern - vom Staat bezuschußt - die mit bunten Blumenmischungen besät werden sollen.
Damit diese Blüten - unter anderem - heimischen Insekten und Bienen Nahrung bieten. Ich habe dieses "greening" hier auch beobachtet. Dabei stellte ich fest, dass eine Anzahl der dort gesäten Blumen taub waren!
Daraufhin habe ich einen sogenannten "Feldtag" in der Warburger Börde besucht. Ausgerichtet von dem Bauernverband und Raiffeisen. Dort lief ich mit zig Bauern um Weizenanbauflächen und lernte - gut geführt - einiges.
Zum Schluss ging ich in das große Zelt , und holte mir von den Samenanbietern Infomaterial zum Thema "greening".
Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt "Greening- Angebote", bei denen die gesäten Pflanzen bewusst taub sind! Oder, als Zwischenpflanzung ( greeningkonform und bezuschusst) in der Blüte rasch untergepflügt werden müssen, damit sie sich nicht wieder aussäen.

Diese Randbepflanzungen, auch Zwischensaaten sind dann nur gut, um mit ihren Wurzeln den Boden zu verbessern, um dann untergepflügt zu werden. Den Insekten nützen sie nichts! Die Werbeträger in hübschen Broschüren nennen das dann: Für "greening geeignet". Oder "greeningkonform"
Das heisst: Eine Samenmischung wird vom Staat bezuschusst, obwohl für die lebenden Insekten nichts dabei herauskommt!
Das habe ich Frau Heinen-Esser geschrieben. Bis jetzt keine Antwort. Die Grünen waren da schneller. Ich habe ihnen im letzten Jahr geschrieben, warum ich sie nicht mehr wähle. Und sie haben prompt geantwortet.

Noch eins:
Allein bunte Grünstreifen um die Felder nutzen den Bienen wenig! Die Völker stehen auf richtig dicke, blühende Äcker, wie die Imkerin zu berichten wusste. Nur, so ein großer, gelber Rapsacker nutzt ihnen ja auch nichts, wenn sie wegen der vorhandenen Nicotinoide nach etwas Nahrungsuche darauf orientierungslos zu Grunde gehen.

LG
Anjoli


RE: Bienensterben - vanda - 12.02.19

Ja, da gebe ich Dir recht.
Die meisten greening-Maßnahmen sind nur auf Kurzfristigkeit ausgelegt und bringen für die Artenvielfalt nicht viel. Laut Fachleuten seien wohl an die 80% der Maßnahmen wirkungslos für die Biodiversität.

Sinnvoll sind Maßnahmen nur dann, wenn sie als mehrjährige Wiesen oder Raine mit heimischen Pflanzen angelegt sind. Einjährige Ansaaten, die dann eingepflügt werden, bringen nur den eh vorhandenen Insekten etwas Nahrung, aber keine Chancen auf Überwinterung oder Vermehrung.
 
Auch können Pestizide der angrenzenden Kulturen evtl. durch Auswaschung in den Boden gelangen und von den Blühpflanzen aufgenommen werden.

Dass Sorten ausgewählt werden, die sich nicht versamen, habe ich noch nicht gehört, kann ich mir aber gut vorstellen - man will das blühende "Unkraut" ja nicht die nächste Saison auf den Kulturflächen haben. Wenn die Flächen aber sowieso jährlich umgebrochen werden ist das an sich auch schon egal. :rolleyes: Ist leider vielfach nur bunter Aktionismus nach dem Motto "schaut her, wir tun doch was". Und ich mag das nicht mal den Landwirten anlasten, die säen halt das aus, was ihnen vom Verband empfohlen und von den Anbietern verkauft wird.

Welcome back Anjoli! smile


RE: Bienensterben - Anjoli - 12.02.19

Zitat:Vanda schrieb: Und ich mag das nicht mal den Landwirten anlasten, die säen halt das aus, was ihnen vom Verband empfohlen und von den Anbietern verkauft wird.
Ja, so ist es.  Die Sache mit der Übertragung der Giftstoffe auf die schmalen Blühstreifen stimmt auch. Es nützt den Insekten nichts, wenn das ganze Feld Pestizide ausatmet, und die Blüten, an den sie speisen wollen, auch noch von jenen - durch Übertragung, durch das Wasser- aufgenommen werden. 
Das sprach diese Imkerin in der Sendung auch an. 
Also, wirklich ein Scheinaktionismus. Und dazu bezuschusst! 
Ein Jammer! 
Ich werde nochmal an Frau Heinen- Esser schreiben. 
Soll sie mir doch zumindest mal sagen, warum es im Bundesland Hessen anders ist?
Was die Hessen anders machen, als die Leute in NRW. Allein die normalen Straßenrandstreifen bieten eine höhere Vielfalt an Pflanzen und Insekten auf. 
Hier sieht es so aus, als würden die städtischen Bauhöfe selbst mit Unkrautvernichtungsmitteln losziehen.  Na gut, ich kann mich irren, vielleicht sind es doch die Bauern, die alles an Randvegetation vernichten. 

Anjoli


RE: Bienensterben - paradoxa - 13.02.19

In der SZ stand dazu vorletztes Wochenende ein interessanter Artikel. Unter anderem mit der Aussage, dass nicht einmal die ausgewiesenen Naturschutz-Gebiete funktionieren, weil durch Einsatz von Drohnen z.B. Pestizide etc auch auf diese Bereiche übertragen werden.

paradoxa


RE: Bienensterben - Martin - 14.02.19

(11.02.19, 23:25)Anjoli schrieb:  Nur, so ein großer, gelber Rapsacker nutzt ihnen ja auch nichts, wenn sie wegen der vorhandenen Nicotinoide nach etwas Nahrungsuche darauf orientierungslos zu Grunde gehen.

Allerdings nutzt ein großer, gelber Rapsacker auch dann nichts, wenn es zu trocken ist. Ich hatte vor ein paar Jahren ein paar Hektar Raps direkt bei meinen Bienen und aufgrund Trockenheit während der Blüte konnte er keinen Nektar bilden. Statt pro Volk 20 - 50 kg Rapshonig ernten zu können musste ich zufüttern...


RE: Bienensterben - Landfrau - 15.02.19

Das ist ja traurig , Martin  :crying: Aber es ist durchaus bekannt, dass Raps Probleme mit Trockenheitsstress hat. Hier wegen der Ostseenähe eher kein Problem, auch wenn das Frühjahr meistens eher trocken ist. 

Anjoli, Neonicotinoide   zur Beizung der Saat sind bei Raps seit Jahren verboten. Eine Anwendung ist auf dem Blatt erst nach der Blüte erlaubt.


RE: Bienensterben - Anjoli - 15.02.19

Tja, Verbot ist Verbot!
Da wird vermutlich auch kein Nicotinoid auf dem Rapsacker vorkommen!
Und so ein bisschen nach der Blüte, das macht doch keiner Biene was!
Das muss dann ja drauf, warum auch immer....?

Und Pestizide werden auch nicht durch Wasserverschleppung eingetragen.
Vermutlich sind sie beim Raps auch verboten? So ein urgesundes Zeug!
Und wenn was mit dem Raps nicht funzt, liegt es vermutlich am Wetter.

Ob es auch Wechselwirkungen zwischen den von Menschen vorgenommenen Eintragungen gibt?
Na! Bei mir kommt der Strom auch heute noch aus der Steckdose. Ganz unschuldig.

Anjoli

Ich fürchte, Martin, wir sprechen hier - scheinbar - über zwei verschiedene Dinge. Wir werden auch dieses Jahr wieder größere Probleme mit Trockenheit im Frühjahr und Sommer haben. Ich habe heute, im Pullover, bei 20 Grad im Garten gearbeitet. Am 15. Februar! Wir haben also einmal den globalen Klimawandel, der jetzt wirklich zuschlägt, und wir haben parallel die chemische "Veruntreuung" aller Ackerflächen.
Beides geht aber Hand in Hand!
Beides ist Menschenwerk!