Kraut und Rosen
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Stammrosen - Landfrau - 21.11.18

Rosen auf Stamm passen vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt zum Oberthema "Naturgarten".
Das habe ich übrigens auch lange so gesehen  :laugh:
Meine erste Begegnung mit Stammrosen war diese: Unser Nachbar hatte bei der Neuanlage seines Gartens auch diverse Rosen auf Stamm pflanzen lassen. Sie wurden im Winter in Vlieshauben gehüllt und machten monatelang "Krach" .  Clown Das Vlies damals war total ungeeignet, weniger wegen der Geräuschkulisse sondern weil es nicht luftdurchlässig war. Also die Stammrosen waren dann weg...

Mittlerweile hat sich meine Einstellung zu Stammrosen geändert. Sie nutzen die "Höhe" , was in eng bepflanzten Gärten durchaus ein Vorteil ist. Sie haben außerdem einen durchaus dekorativen Charakter, auch auf Balkon oder Terrasse. Sie lassen sich nämlich auch gut in Töpfen kultivieren. Ich mag sonst Gartendeko nicht so, aber so schon  Yahoo

Im Prinzip unterscheidet sich eine Stammrose nicht groß von anderen veredelten Rosen. Sie wird eben auf eine Unterlage veredelt, die besonders gut einen geraden hohen "Stamm" macht. Überlicherweise ist das Rosa canina 'Pfänder'. 
Bei den Stammrosen sitzt die Veredelung oben unterhalb der Krone. Gute Qualitäten haben davon mindestens 2 , gerne auch 3. Daraus ergibt sich dann eine schöne Krone. Am unteren Ende des Stamm sitzt die sogenannte Zapfenschnittstelle. Sie sollte bei der Pflanzung oberhalb des Bodenniveaus liegen. Ansonsten kann es passieren, dass sehr viele Wildtriebe entstehen. Das passiert zwar auch so  Clown, aber so lassen sich dann die Wildlinge wenigstens gut entfernen.
Da also die Veredelung "oben" liegt, sind Stammrosen generell stärker durch Frost gefährdet. In einigen Lagen muss man daher dafür sorgen, dass diese Stelle besonders geschützt wird. Das ist aber auch der einzige Nachteil. Die erhöhte "Lage" ist natürlich auch ein Vorteil: Da die Rose mehr im Wind steht, sind Blattkrankheiten seltener. Und auch die Nase muss sich bei Duftrosen nicht groß bewegen. 
Vielleicht habt ihr Lust, eure Stammrosen mal näher vorstellen. Oder diejengen, die bisher keine haben, möchten Fragen stellen oder sich verführen lassen  :whistling:

Ich mache mal den Anfang mit einer ganz jungen Reine des Violettes auf Stamm. Es handelt sich um die öfterblühende Variante, sogenannte RdV II oder Ruf-Variante. 
[Bild: 34208556mm.jpg]


RE: Stammrosen - Gudrun - 21.11.18

Danke für den Faden!

Dein schönes Foto hat mich jetzt gleich zu einem Büchlein von 1991 greifen lassen: 'Vom Zauber alter Rosen'
und mir gezeigt, dass ich bisher  La Reine  und  Reine de Violettes  verwechselte.

Es gibt also bei Stammrosen eine Veredelungsstelle oben am Stamm und eine "Zapfenschnittstelle", die wie bei
Obstbäumchen oberhalb der Pflanzstelle liegen soll.
Wozu dient eine Z A P F E N S C H N I T T S T E L L E - bitte?

Eine so hoch liegende Veredelungsstelle einzumosen oder sonstwie gut zu schützen scheint mir sehr nützlich.

Ich hoffe, es gelingt mir, in diesem Winter n i c h t  nach Stammrosen Auschau zu halten ... nicht immer den Rüssel
so weit runter zu biegen, hat was Give_rose


RE: Stammrosen - Melly - 21.11.18

Super Thema!!!
Ich bekenne mich als absoluter Stammrosen-Fan! Meine allererste Stammrose war ein Traum: 'Souvenir de la Malmaison', Duft pur!
Leider war diese Rose mal absolut nichts für unser Klima, Regen, dauernd verklebte Blüten, trotzdem habe ich sie geliebt!
Aufgrund der Tatsache, dass unser Garten im "Altgarten" nur klein war, ca. 850 qm, kamen schnell ganz viele Stammrosen hinzu, einige im Topf, andere wurden ins Beet gepflanzt. 
'Abraham Darby', 'Schneewittchen', 'Rose de Resht', 'Oklahoma', 'Glamis Castle', 'Colette', 'Concerto' sind die, die mir spontan einfallen, die im Altgarten standen, teils im Topf, meist aber im Beet. Einige habe ich noch mitnehmen können, allerdings hatten die Rosen hier nicht die große Chance, zu überleben, da wir hier sehr "abenteuerlich" begonnen haben. 
Ein altes Bauernhaus mit großem Acker!
Aber es sind immer noch einige da, die es im Winter gilt wegzustellen, da ich nach meinem letzten Auspflanzversuch mit 'Beverly' und 'Big Purple' nun definitiv keine mehr in die Erde pflanzen werde. Beide Stämme haben nicht überlebt!
Die, die am längsten leben, sind inzwischen 'Nostalgie', 'White Haze', 'Joh.-W.-v.Goethe' und 'Speronella Dalesmanini', in genau der Reihenfolge, die Vor-dem-Haus-Rosen. Die anderen habe ich rund herum verteilt, einen Teil auch in der Nähe des GH stehen, meist die Roten!
'Nostalgie' ist mir vor, ich glaube 2 Jahren, von den Mäusen so angeknabbert worden im Winterquartier Gärtnerschuppen, dass ich dachte, das war's!
Aber Raphael hat mir dann geschrieben, ich solle sie bis auf die Veredlung zurückschneiden, was ich auch gemacht habe. Und siehe da, heute kann man sie nicht mehr von ihrer "Schwester" unterscheiden. Aber das ist mir ganz schön schwergefallen seinerzeit!
Ich hätte noch viel mehr Stammrosen - wenn GG nicht wäre...

'Golden Silk', im Hintergrund 'Joh.-W.-v.-Goethe':
[Bild: 34397549nf.jpg]

[Bild: 34397550km.jpg]



LG
Melly


RE: Stammrosen - Landfrau - 22.11.18

(21.11.18, 21:56)Gudrun schrieb:  Es gibt also bei Stammrosen eine Veredelungsstelle oben am Stamm und eine "Zapfenschnittstelle", die wie bei
Obstbäumchen oberhalb der Pflanzstelle liegen soll.
Wozu dient eine Z A P F E N S C H N I T T S T E L L E - bitte?

Bei Obstbäumen dürfte es sich in diesem Zusammenhang um die Veredelungsstelle handeln, wenn sie auf den Wurzelhals veredelt worden sind. Aber da kenne ich mich nicht so aus.

Bei Stammrosen ist es jedenfalls so, dass zunächst einmal ein gerader kräftiger Trieb/Stamm aus der Veredelungsunterlage entstehen muss. Alle übrigen Triebe, die die Unterlage natürlich auch bildet, werden entfernt. Dadurch entsteht diese Verdickung am Fuß, die auch bei einer wurzelnackten Jungstammrose schon deutlich sichtbar ist:
[Bild: 34399463jf.jpg]

Auch gut zu sehen, dass hier die Unterlage weiter Triebe produziert hat, die schlecht von der Gärtnerin entfernt worden sind  :whistling:
Diese Zapfenschnittstelle entsteht also einfach durch das Kappen weiterer nicht benötigter Triebe, einen Zweck hat sie ansonsten nicht. 
Es ist dummerweise so, dass die für Stammrosen besonders günstige Unterlage, sehr stark weiter "Wildtriebe" produziert. Durchaus auch weiter vom Stamm entfernt. Pflanzt man die Zapfenschnittstelle tiefer in den Boden, wird dieses Verhalten stark gefördert . Daher sollte dieser Basisknubbel oberhalb des Erdniveaus liegen, manche empfehlen bis zu 10 cm.  

Im Vergleich zu dieser Verdickung des Wildlings ist die Veredelungsstelle oben an der Krone vor allem bei Jungrosen deutlich unscheinbarer. 
Erst im Alter entsteht dann auch dort ein gut sichtbarer Knubbel
[Bild: 34399466uz.jpg]

Wenn man sich bisher eher nicht mit Stammrosen befasst hat, kann es zu Verwechselungen kommen. Und dann wird schon mal der Fuß angehäufelt oder mit einer Mulchschicht bedeckt. Und das schützt dann natürlich die empfindliche Veredelungsstelle nicht.

Vielleicht noch etwas zu den unterschiedlichen angebotenen Größen. 
Zwergstammrosen haben eine Stammhöhe bis zu 50 cm. Das sieht in einem Kübel gut aus, weil dann noch die Höhe des Kübels dazukommt. Im Beet finde ich es "verzichtbar". Das wirkt eigentlich nicht. Ähnliches gilt für sogenannte Halbstämme, die maximal 20 cm mehr Stammhöhe haben.
Hochstammrosen beginnen dann ab einer Stammhöhe von 90 cm, bei manchen Anbietern sind es bis zu etwa 110 cm.
Das ist im Beet vielleicht die beste Höhe, lässt sich gut unterpflanzen und die Rose wirkt trotzdem und bringt die gewünschte Höhe ins Beet.
Kaskadenstämme sind dann zwischen 120 und 140 lang. Sie eignen sich vor allem starkwüchsige Rosen mit stark überhängenden Wuchs. Hier sollte man nicht unterschätzen, wie mächtig die Kronen dann im Laufe der Jahre werden. 

Little White Pet als Stamm, hier für das Beet leider nicht frosthart genug.
[Bild: 32976951gl.jpg]


RE: Stammrosen - Gudrun - 22.11.18

Danke für die Aufklärung ... muss noch mal nachfragen: 
der Stamm ist also ein besonders gerade gewachsener Trieb der Unterlage?

Wenn er hoch genug erscheint, werden Augen der gewünschten Sorte fachmännisch oder ~frauisch
eingemessert.

Little White Pet als Stamm sieht richtig gut aus. Ich hatte mal 3 davon als Böschungsdeckerchen im Steingarten.

Ging nur wenige Jahre gut - sie wurden immer jämmerlicher, bis ich sie durch besser geignete Pflanzen
ersetzte.


RE: Stammrosen - Landfrau - 22.11.18

Ja genau , Gudrun.
Deswegen habe ich auch erwähnt, dass hier eine sonst selten verwendete Unterlage verwendet wird, die besonders gerade "Stämme" macht. Und es dauert daher auch seine Zeit, bis so ein Stämmchen fertig ist. Ich glaube, es sind 4 Jahre Kulturzeit bis aus dem Wildling eine Stammrose geworden ist, die verkauft werden kann.


RE: Stammrosen - Melly - 22.11.18

Du hast mich jetzt dazu gebracht, Landfrau, heute alte Bilder zu schauen. Und ich habe da Stammrosen entdeckt, die ich gar nicht mehr zuordnen kann. Ich müßte mir tatsächlich mal meine Quittungen der Betriebe raussuchen, denn die eine oder andere Rose würde mich heute wirklich wieder reizen. 
Und dann noch Winterzeit - wo man so schön aussuchen kann...

LG
Melly


RE: Stammrosen - moorfrosch - 23.11.18

ich hatte in meinem bauerngarten auch eine hochstammrose...schneewittchen.
ein paar jahre hatte ich freude an ihr. habe aber die pflanze vor einem sturm nicht ausreichend gestützt, denn mir ist der stamm abgebrochen.
wahrscheinlich war der stamm zu hoch und im nachhinein denke ich, eben auch nicht sehr kräftig.


RE: Stammrosen - Moonfall - 23.11.18

Jetzt bin ich verwirrt über die Veredelung. Ich bilde mir ein, ich hätte wo gelesen, dass Stammrosen 2 Veredelungsstellen hätten. Also die erste Veredelung unten, die eine Rose mit geradem Stamm auf die Unterlage bringt, und eine oben am Stamm, die die Blühsorte bringt. - Natürlich kann ich das nicht mehr finden.  Clown Ist es Quatsch? Sonst müsste man auch die Veredelung unten schützen.  :huh:

Ich hatte im früheren Garten 3 Stammrosen. Eine niedrige, die ich dort ließ, war nichts besonderes. 
Eine andere Sorte mit schöner Krone, die riss mir glatt ein Sturm ab, weil ich den Stützstab nicht durchgängig durch die Krone gemacht hatte.  :head:
Die dritte war Swany auf hohem Stamm, die sah herrlich aus, übersiedelte mit mir, wurde dann aber immer weniger und starb nach einem Winter ab. - Das hat mir die Lust auf Hochstammrosen verdorben. Dabei hätte ich wohl bloß in Winterschutz investieren müssen?  :undecided: 
[Bild: 45286796044_362a481eab.jpg]


RE: Stammrosen - Landfrau - 23.11.18

Wirklich ein Hingucker, deine Swany, moonfall  Yes

Überhaupt machen solche Bodendecker/Kleinstrauchrosen auf Stamm auch recht schnell "etwas her". Hier etwa Gärnerfreude. Ich hatte sie als Container-Schäppchen erworben, im Jahr darauf dann schon so.
[Bild: 18855686ud.jpg]

Zitat:Ist es Quatsch?

Da sind jetzt deine Worte, moonfall  biggrin, aber sie stimmen. Es wird ja gerade eine Unterlage verwendet, die von sich aus schön gerade nach oben wächst. 

Der untere Knubbel ist keine Veredelungsstelle , sondern entsteht eben durch das Entfernen der übrigen Triebe der Unterlage. Sonst wäre der Hinweis, dass dieses Teil oberhalb der Bodenöberfläche liegen soll auch nicht so der Hit.
Oben  unter der Krone sollte es aber mindestens 2 Veredelungsstellen mit dem Edelreis geben. Dann wird einfach die Krone schöner und falls eine kaputt geht, ist noch eine in Reserve! 
Und klar, in luftiger Höhe ist die Veredelung empfindlicher gegenüber Frost. Da müssen die Temperaturen gar nicht so tief runtergehen.

Zitat:Du hast mich jetzt dazu gebracht, Landfrau, heute alte Bilder zu schauen. Und ich habe da Stammrosen entdeckt, die ich gar nicht mehr zuordnen kann. 

:clapping:  , da kommt dann doch der Winter genau richtig  wink

Schneewittchen war als Stamm bestimmt auch bezaubernd, moorfrosch. Vermutlich auch gesünder als als Strauch. Da kann  sie ja auch mal zickig sein.