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insekten, futter für insektenfressende vögel - Druckversion

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insekten, futter für insektenfressende vögel - moorfrosch - 04.04.19

hallo,

mir ist seit jahren aufgefallen, daß insekten in meinem garten und auch im wald immer weniger werden.

selbst fliegen gibt es nur noch selten.jedenfalls bei mir.

könnt ihr euch noch daran erinnern, daß ich vor jahren, wohl noch im alten forum geschrieben habe, daß ich meine regentonnen nicht abdecke, um mücken die möglichkeit, sich zu entwickeln , gebe.

es ging mir damals um insektenfressende vögel. die sind nämlich , ich glaube schon um 13% am aussterben.

https://www.br.de/nachrichten/wissen/immer-weniger-voegel-die-insekten-fressen,RMO4L7s

das zu meiner aussage bei den "unkräutern", daß es bei mir noch nicht mal mehr fliegen gibt.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Brigitte - 04.04.19

Bei uns gibts so gut wie keine Komposthaufen mehr. Grünzeug und Einstreu von Kleintieren (falls überhaupt noch jemand Kleintiere haben sollte) landet in der grünen Tonne statt im Garten. Da ist es kein Wunder, daß es weniger Insekten gibt.
Früher war es normal, daß im Sommerhalbjahr Fliegen ins Haus kamen und genervt haben. Heutzutage ist das eine Seltenheit. Ich kann mich nicht erinnnern, wann ich das letzte Mal auf Fliegenjagd in der Küche war.
Ist aber bei den aufgeräumten, modernen Gärten kein Wunder.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - moorfrosch - 04.04.19

stmmt Bigitte,

ich habe noch einen großen komposthaufen. auch noch vögel und igel im garten.

leider habe ich keine kleintiere, oder zum glück.
habe ja einen hund.

als ich noch pferde hatte, wunderten sich immer alle, daß wir damals schon wenig fliegen hatten.
es gab eben viele vernetzte biotope.

auch teiche hatte ich ja 7 stück, auch große, aber keine mückenplage.

deshalb finde ich vielfalt anpflanzen im garten so wichtig.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Teetrinkerin - 05.04.19

Im Schmetterlings-Thread bin ich über Bücherempfehlungen gestolpert und habe mir daraufhin das Buch "Das große Insektensterben" von Andreas H. Segerer und Eva Rosenkranz gekauft. Ich lese es immer häppchenweise, denn das, was darin steht, ist einerseits gedankenanregend, andererseits aber auch besorgniserregend. Auch wenn ich erst gut ein Viertel gelesen habe, kann ich dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich mit dem Thema befassen möchte - eigentlich sollte es Pflichtlektüre werden.

Das bringt mich natürlich auch zu dem Thema, was kann ich tun? Was lässt sich in meinem Garten umsetzen? Zum einen wollen wir sowieso eine Sichtschutz"hecke" pflanzen, die aus meist einheimischen Sträuchern bestehen soll. Diese sollen Nahrungsquelle für Insekten und auch Vögel sein. Zudem werd ich einen kleinen Totholzhaufen einrichten, den wir mit Zweigen, Ästen, Laub und vielleicht etwas Rasenschnitt bestücken möchten. Außerdem möchte ich - zumindest ein kleines Stück - unberührt lassen. Wo unsere Wiese einfach wachsen darf und soll. Da müssen wir aber noch überlegen, wo das sein soll.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Cornelssen - 05.04.19

Ich bin schon eine ganze Weile am Überlegen, wie ich draußen eine zuverlässige Quelle für Maden installieren könnte. Basis dafür wäre Quark in der Sonnenwärme mit genügend Feuchtigkeit. Einfach irgendwo hinlegen kann man den nicht. Nun überlege ich, wie ein Gefäß aussehen müsste, in das Quark als Brutstätte eingefüllt werden könnte, das ihn mit etwas Feuchtigkeit versorgt, aus dem Maden rauskrabbeln könnten/für Vögel erreichbar wären - ohne dass auch gleich der ganze Quark verschwindet - und damit die Verlockung zur Eiablage...

Hat jemand eine Idee?

Inse


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Luna - 05.04.19

Ich weiss nicht ob das mit Quark funktionieren wird.
Maden gibt es, wenn Insekten wie Fliegen ihre Eier in offenstehende Lebensmittel, vorzugsweise auf Käse und Fleisch legen, die Maden schlüpfen innert wenigen Tagen.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - vanda - 05.04.19

Also wir könnten gerne Fliegen abgeben! Clown Eisernes Gesetz hier: keine offenen Fenster ab Mitte März und die Haustür keine 10 sek. aufstehen lassen, sonst sind 100e Fliegen in der Küche... auf die könnte ich doch gerne verzichten...

Extra Fliegen für Vögel anzuziehen halte ich dann doch für etwas übertrieben.

Vögel fressen ja nicht nur Fliegen, sondern auch Spinnen, Käfer, Bienen, Schmetterlinge und deren Raupen etc., daher tut man mit einem naturnahen und vielfältigen Garten doch schon unglaublich viel für die Insektenvielfalt. Zumindest für die Insekten, die eben in Gärten leben.
In unserem ca. 12x12m großen Gemüse- und Staudengarten wimmelt es im Sommer nur so von Insekten, die Stauden bleiben lange stehen bzw. das Schnittgut wird bis zum Frühling dort auf kleinen Haufen gelagert - hier überwintern diverse Käfer, Marienkäfer und Spinnen. Zwischen dem Gemüse gibt es viele Blütenpflanzen wie Ringelblumen, Mohn und Borretsch, und bei den Stauden Insektenmagnete wie z.B. Bronzefenchel, wilde Karde und Malven. Es wird kein Stauden-Schnittgut in Biotonnen gepackt, sondern alles so gut es geht auf dem Grundstück entsorgt oder gelagert, damit kein noch so kleines Spinnchen verlorengeht. :angel:
Blattläuse kann man aushalten und dann zusehen, wie sich daran die Marienkäfer vermehren oder wie die Meisen eifrig bis in die dünnsten Zweigspitzen der Rosen balancieren, um die Läuse abzupicken.
Zwischen die klassischen "ausländischen" Gartenstauden auch mal heimische Arten einstreuen, auf die viele heimische Insekten durch Millionen Jahre Evolution angewiesen sind, hilft auch enorm. Davon gibt es so viele leider viel zu wenig bekannte und verbreitete Kostbarkeiten, die man prima in einen Garten integrieren kann - Wiesenkerbel, Wiesenbärenklau, Knoblauchsrauke, Rote Lichtnelke, Weiße Lichtnelke, Nesselblättrige Glockenblume, Nachtviole, Sumpfstorchschnabel, Braunwurz, Wiesenflockenblume, Wegwarte, Hornklee etc., um nur mal ein paar zu nennen.

Ein Stück ungemähte Wiese ist natürlich perfekt als Insektenparadies, und selbst wenn es auch nicht üppig blüht, so ist schon hohes Gras für viele Raupen, Heuschrecken und Spinnen überlebenswichtig.
Aus den Bäumen nicht gleich alles Totholz raussäbeln hilft auch, und wenn doch mal geschnitten und gefällt werden muss, dann das Totholz einfach auf einem Haufen vermodern lassen.

Aber ich denke, das wissen wir hier ja alle. Im Kleinen können wir im Garten aber noch so viel tun, wenn im Großen weiterhin Wiesen zu Maisäckern und Supermarktparkplätzen werden und die restlichen Wiesen so überdüngt werden, dass a) nur noch Gras darauf wächst und dieses b) durch den erhöhten Stickstoffgehalt ungenießbar bis giftig für viele Raupen wird (wie eine aktuelle Studie ergeben hat), die daran beim Fressen absterben.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Teetrinkerin - 05.04.19

@Vanda,
das sind tolle Tipps! Vielen Dank!

Wir haben keinen Rasen, sondern eine - großteils - kurzgemähte Wiese. Ich habe das Gefühl, dass die Anzahl der Wildkräuter jährlich zunimmt. Wir haben Rote Taubnessel, persischer Ehrenpreis, Gundermann, Spitzwegerich, Breitwegerich, Weiß- und Rotklee (hat schon zu Bienenstichen an nackten Kinderfüßen und Hundepfoten gesorgt) und noch viele mehr. Im Sommer tummeln sich da viele Insekten. Und seit letztem Jahr lasse ich ein Beet im Jahr bracht liegen, da darf es einfach so wachsen - vor allem Dill, Borretsch, Ringelblumen, Koriander etc. wachsen dort und es ist unglaublich, wie viele Insekten dort rumsurren.

Dennoch möchte ich mehr tun - mehr in meinem Garten und mehr außerhalb. Ich leite einen Arbeitskreis bei einer Umweltorganisation und ich werde genau dieses Thema bei unserer nächsten Sitzung ansprechen. Vielleicht können wir ein klein wenig machen.


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Cornelssen - 05.04.19

Vanda, der Mehrzahl Deiner Argumente kann ich zustimmen. Aber es liegt nicht bei mir, ob in der Umgebung herumgegiftelt wird oder nicht. Mein Garten allein kann nicht gut machen, was andere verderben. Zunächst aber sind noch ein paar Vögel da - es werden deutlich weniger von Jahr zu Jahr und das liegt auch daran, dass sie ihre Brut nicht hochkriegen, weil auch die Körnerfresser zur Aufzucht Insekten benötigen - mehr, als mein bißchen Garten bieten kann.

Als ich das Grundstück übernommen habe, summte die Südwand der Remise, weil dort überall Wildbienen lebten. Wir haben sie gehütet und gehofft, aber die Bienen sind in den vergangenen zwei Jahren erschreckend weniger geworden. Die große Linde in der Nachbarschaft wurde mit einem Bagger attackiert und stark beschädigt, die Kastanie wurde radikal beschnitten, die Walnuss wurde zugemüllt und u.a. ein Lkw im Freien neu lackiert: man bekam kaum noch Luft, konnte sich nicht im Freien aufhalten, die Fenster mussten geschlossen bleiben und die Polizei erklärte sich - trotz Straftat - für nicht zuständig. Andere Nachbarn dulden keine Blumen in ihrem vermeintlich englischen Rasen und schleichen mit Gift und Stecher über ihr Gelände, um alles auszumerzen, was ihrem Katalog-Ideal von gepflegtem Rasen nicht entspricht. Dazwischen gibt es Nischen, in denen Vögel sich aufhalten: Sichtschutzhecken und Benjeshecken an der stillgelegten Umgehungsstraße - dahinter wieder Glyphosat-Äcker. Die Extrem-Wetterlagen der vergangenen zwei Jahre haben viele Bäume absterben lassen. Die werden nun nach und nach in den Gärten gerodet - und nicht ersetzt. Der Ort wird urbaner und so mancher größerer Garten zu Bauland.

Man kann dagegen lamentieren, predigen, Fakten präsentieren - und arbeitet dabei doch nur gegen Wände. Ich hoffe, dass immer mehr Menschen sogar hier, in Brandenburg, nach und nach bewusst wird, dass es so nicht weitergehen kann - und es zu einem Umdenken und verändertem Verhalten kommt: nach und nach. Die Zwischenzeit muss überbrückt werden. Ich zweifele am Sinn von Sommerfütterungen, aber wenn Vögel hier brüten und bei der Aufzucht am Insektenmangel scheitern, aber sonst noch Existenzmöglichkeiten haben, dann will ich gerne helfen, Notsituationen zu überbrücken. Du findest das übertrieben. O.k.: lassen wir die Nachtzucht halt verrecken. Ist eben so.

Zu der Sache mit dem Quark: Fleisch ist für die Anzucht von Maden auch geeignet. Aber es fängt bald an, sehr unangenehm zu riechen. Quark ist da geruchsneutraler. Wir haben das in den 1960er Jahren als Studenten in einem Projekt des Studium Generale herausgefunden. Da ging es darum herauszufinden, wieviele Insekten z.B. ein Sperlingspärchen für die Aufzucht eines Geleges benötigt. Damals meinte man noch, es gäbe zuviele Spatzen und man solle was gegen diese Plage tun... Wir wollten dem etwas entgegen setzen. Damals gab es ja auch noch eine "Insektenplage" - d.h.: das heilige Blech wurde von den Kadavern beschädigt und die waren nur schwer vom Auto zu entfernen... Zeitgeist eben. Wie dem auch sei - es tut mir leid, diese Überlegung hier eingebracht zu haben. Ich entschuldige mich dafür.

Inse


RE: insekten, futter für insektenfressende vögel - Melly - 05.04.19

Tja, wir können auch Fliegen abgeben! Bereits diese Woche haben die mich so genervt, als ich draußen im Hof vor der Küche war, dass ich überlegt habe, wo die denn nun herkommen könnten. 
Insekten allgemein haben wir auch weniger, Wespen sind massiv weniger geworden,  habe ich erst auf die Hornissen geschoben, die ja jedes Jahr hier brüten. 
Wir haben ja noch viel Brachland, das wir bewusst als Rückzugsort für die ansässigen Tiere liegen lassen, ca. 2000 qm, Teiche inbegriffen. Die Tiere nehmen das auch an, sieht man an "unserer" Ricke, die ja jedes Jahr oberhalb der Teiche ihre Jungen zur Welt bringt. 
Vögel leben hier noch reichlich, ich habe sogar das Gefühl, dass die Population zugenommen hat. 
Allerdings sind wir auch nicht die "ordentlichen" Gärtner, bei uns liegt hier was, dort was, zwei große Kompostflächen, das Grundstück ist einfach zu groß, um pingelig zu sein. 

LG
Melly