20.12.15, 19:49
(20.12.15, 13:55)susima schrieb:(13.12.15, 20:30)Cornelssen schrieb: Ja, habe Bücher geschrieben - wissenschaftliche.Wenn Du die auch so unterhaltsam gestaltet hast, waren sie sicher ein Renner![]()
Ich les Deine Beiträge auch immer wieder gerne, liebe Inse! Du schreibst einfach so aus dem Leben gegriffen, dass man meinen möchte, man sei dabei gewesen.
Danke für die Blumen, aber was die wissenschaftliche Literatur anlangt, müssten das Strohblumen sein: man konnte seinerzeit froh sein, wenn man sich für ein Buch nicht verschulden musste. Die Verlage verlangten vier- bis fünfstellige Druckkostenvorschüsse, die mehr als nur die Druckkosten abdeckten, und wenn man nach einem Honorar fragte, hieß es, als Autor eines von einem bekannten Verlag verlegten Buches habe man doch Anerkennung genug, die man in Jobs umsetzen könne.
Gut geschrieben war das, was von meinem Schreibtisch kam, aber ich war auch stur genug, diese Art von Ausbeutung nicht mitzumachen. Also fand sich zunächst mal kein rennomierter Verlag, dann aber ging einem Verleger ein Licht auf, er änderte seine Haltung und ich musste/konnte in der Steuererklärung einen echten Gewinn von etwas über 100,--DM versteuern. Für ein literarisches Buch (Wang Meng: Lauter Fürsprecher und andere Geschichten, das ich zusammen mit einem chinesischen Kollegen übersetzt und herausgegeben habe) habe ich allerdings weder etwas bezahlt noch etwas bekommen, gleiches gilt für eine Festschrift, bei der ich einen jungen Kollegen als Herausgeber nach vorne geschoben habe, weil der gerade händeringend um einen festen Job im akademischen Umfeld kämpfte - ich war da schon Professor und hatte das hinter mir: einer meiner ehemaligen Chefs hat getobt und mich deshalb arg beschimpft: man hat geltungssüchtig zu sein! Meine Reaktion (er war entsetzt und schüttelte den Kopf): "Ihr könnt mich alle mal! Und außerdem muss man nicht jeden Gedankenfurz publizieren, nur weil die Amerikaner das zur Religion erklärt haben. Jetzt publizier ich gar nichts mehr!" Meine Publikationsliste war zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Seiten lang, aber wenn dann jemand von mir eine Publikationsliste haben wollte, bekam er ein freundliches Lächeln: schließlich kann sich jeder des Lesens mächtige Mensch in eine Bibliothek setzen und selbst recherchieren. Einmal war ich nicht so patzig und habe zwei, drei Titel in einem Telefongespräch genannt: leider. Jetzt steht meine Mager-Auskunft unautorisiert bei Wikipedia. Peinlich - aber sowas löschen lassen macht einen Haufen Umstände und Ärger, also lass ichs.
Inse

