02.05.14, 15:27
Hallo Cordula,
wir haben auch Enten. Lange hatten wir überlegt und möchten sie nicht mehr missen.
Hier mal ein paar Fakten zu Laufenten (Flaschenente, indische Laufente, ...):
Entgegen meiner ursprünglichen Auffassung, dass Federn und Gehirn irgendwie nicht gleichzeitig an/in ein Geschöpf passen wollen, bin ich da mittlerweile schon ganz anderer Meinung. Enten sind nämlich schlau.
So, ich hoffe, ich konnte Dir damit etwas weiter helfen. Wenn Ihr Fragen habt, dann gerne her damit!
Noch was: Die Enteneier sind so groß wie Hühnereier und leicht hellgrün. Man sollte sie NICHT WASCHEN damit die Kutikula das Innere schützt. Man kann die Eier entegen alten Geschichten getrost essen. Sie haben ein großes Dotter und zäheres Eiweiß als Hühnereier. Der Geschmack ist subjektiv "eiiger".
wir haben auch Enten. Lange hatten wir überlegt und möchten sie nicht mehr missen.
Hier mal ein paar Fakten zu Laufenten (Flaschenente, indische Laufente, ...):
- Enten sind und bleiben WASSERVÖGEL! Also: Eine Badestelle ist Pflicht! Knietief, Zinkwanne eingebuddelt mit einer "Stufe" im Wasser zum besseren Rauskrabbeln reicht. Man sollte das Wasser regelmäßig wechseln. Bitte bedenken: Auch (und gerade) im Winter brauchen die Enten das Wasser zur Gefiederpflege!
- Die beste Gruppe bei Laufenten bildet ein Erpel mit 2-3 Enten.
- Laufenten fliegen und hopsen kurze Strecken bis zu Hüfthöhe. Wenn sie niemand treibt, kriechen und quetschen sie sich aber lieber irgendwo durch Lücken und Löcher. Wenn sie in Ruhe gelassen werden, fliegen sie nicht. Sie überwinden mühelos normale Treppen oder schräges Gelände, Mäuerchen etc.. Unsere Enten rutschen wie die Pinguine auf dem Bauch unseren Hang hinunter! Sieht seeehr lustisch aus!

- Mit Bezug auf den vorherigen Punkt: Ich habe Wildzaun um meinen Garten gespannt. Zum einstweiligen Aussperren der Enten aus bestimmten Bereichen des Gartens benutze ich einen mobilen Geflügelzaun. Der ist ca. 60cm hoch, grün, hat Erdspieße dran und sieht dem Knotengitter wie ihn die Schafhalter benutzen ähnlich. Nur ohne Strom. Die Höhe reicht vollkommen aus wenn sie nicht getrieben werden.
- Unsere Entchen haben schon so einiges auf dem Gewissen: Rosenkohl und Kohlrabi, Salat etc. wird schon mal gerupft. Wo eine Schnecke oder deren Eier vermutet werden, findet sich hernach eine schnabelbreite Furche im Dreck. Viel begangene Wege sind glatt wie eine Landebahn auf dem neuen Flughafen in Berlin. Diese Wege sind aber nicht immer die, die man auch selbst im Garten angelegt hätte... Deshalb habe ich überall an kritischen Stellen eine kleine entenbrusthohe "Leitplanke" aus Haselnussstangen gebaut - sieht hübsch aus und ist nützlich gegen zertrampelte Beete.
- Schnecken wirst Du nur noch an für die Enten unzugänglichen Stellen finden. Wir bekommen unsere Ackernetzschnecken aus dem Hochbeet einfach nicht weg. Aber überall wo die Enten sind, gibt es bei uns nur noch nachts ein paar zugelaufene Schnecken von Nachbars Wiese, die noch nichts von Enten gehört haben. Aber morgens wenn die Entchen raus dürfen ist alles wieder schleimfrei.
- Der Suchtfaktor. Wer schon mal solche Enten mit ihren Badelatschen durch die Gegend wackeln sah (und hörte!), ist meist sofort vom Laufenten-Fieber gepackt. Und wer schon mal in die schlauen Augen seiner Ente geschaut hat, um den ist es eh geschehen. Also, Du wirst sie nicht mehr hergeben wollen.
- Entenkauf: Nur bei ordentlichen Leuten kaufen, Haltungsbedingungen checken und Enten genau anschauen. Atmen sie sichtbar in die Brust oder sehen die Augen oder das Gefieder komisch aus, Finger weg! Auch die Körperform der Laufente ist nicht unwichtig wenn man halbwegs reinrassige, gesunde Tiere haben möchte. Dazu gibt es genug Tipps im Web.
- Abstammung: Junge Enten aus Naturbrut bekommst Du ab Ende Juni. Die Enten brüten jetzt schon, bzw. sammeln jetzt die Eier für die Brut. Sobald genug da liegen, gehts los. Nach dem Schlupf sollten die Enten noch ein paar Wochen mit den Alten in einer Gruppe leben, da lernen sie alles was sie sozial und futtertechnisch wissen müssen. Enten aus Maschinenbrut sind schlichtweg dumm. Sie verhalten sich in der Gruppe nich richtig, fressen nur das was man ihnen vorsetzt und was sie kennen. Haben sie nur solche Dödel um sich, von denen sie auch nichts abschauen können, bekommst Du Deine Schnecken nie los...

- Brut: Laufenten vermehren sich durch bebrüten von Eiern!
Die Ente legt ne ganze Menge wenn alles stimmt und sie sich wohl fühlt. Aber ohne Erpel gibts keine Babyenten sondern bestenfalls ein Nest voll Stinkbomben!
Ich schreibe das weil ich diese Frage oft beantworten musste. Nein, Enten treiben keine zweihäusigen Blüten und für Milch wird nicht Herr Müller von nebenan gemolken!
Die Küken schlüpfen nach einigen Wochen (frag mich jetzt nicht, müsst ich nachlesen) und sind gleich ganz fidel. Sie bleiben paar Tage im Nest und dann kommt die Mami mit ihnen raus. Allerdings sollte die Ente während der Brut und nach dem Schlupf getrennt von der restlichen Gruppe sein. Sie braucht Ruhe, keine andere Ente sollte am Gelege etwas manipulieren. Manche Erpel haben Probleme mit dem Nachwuchs. Also besser irgendwie ein eigenes Revier um das Nest schaffen wo die anderen außer Sichtweite sind. Nimmt man die Eier regelmäßig ab, brütet die Ente auch nicht. Sie sammelt vorher bis ca. 20 Eier im Nest liegen. Das Nest ist gut getarnt! Auch in Gartenecken oder unterm Stroh im Stall! Also: Ab März gut beobachten!
- Futter: Enten fressen gerne Weichfutter wie Käfer, Würmer, Schnecken etc. aber auch Blätter und Körner. Enten fressen aber auch Erde, vermutlich zur Verdauung und Reinigung. Ich kaufe eine Mischung aus verschiedenen Getreideschroten (Gerste, Mais, Weizen, was gerade da ist) beim Futterhändler lose. Davon frisst jede Ente ca. einen großen Kaffeepott voll am Tag mit Wasser eingeweicht. Im Sommer weniger weil sie dann bei genügend Auslauf genug selbst finden. Ich füttere abends eine Stunde vor Stallschluss.
- Stall: Meine Drei haben einen kleinen Stall in Größe einer Hundehütte aus normalen Nut- und Feder-Brettern mit Spitzdach, Fenster und zwei Gittertüren. Von unten steht er erhöht weil er - wie alles bei uns - am Hang steht. Eingestreut wird mit Stroh. Ich brauche nicht ganz einen kleinen Ballen/Monat. Das Stroh kommt gleich danach als Mulch auf die Beete.
- Vorsicht! Hunde, Marder, Waschbären, Marderhunde, Füchse, Habichte, Bussarde, auch Milane (Rotmilan!) sind keine guten Nachbarn für Enten. Da musst Du vorsorgen, damit wenig oder nichts passiert. Ich habe eine Vogelscheuche im Garten (Übrigens, mein fleißigster Mitarbeiter!) um etwas Kontrolle zu haben. Schimmelndes Rindenmulch ist ebenfalls tödlich für Enten. Sie atmen die Sporen ein, die Pilze befallen die Luftsäcke und die Vögel sterben früher oder später an den Vergiftungen aus den Stoffwechselprodukten des Pilzes. Wenn man das Much gleich frisch auf Wege oder unter Gehölzen ausbringt, hat man das Problem nicht. Es schimmelt erst wenn es einige Zeit auf Haufen liegt. Übrigens kann man auch als Mensch eine derartige Aspergillose bekommen. Ebenso Hühner und anderes Getier. Also sollte ein feiner Staub aufsteigen wenn man einen Kompost, Hackschnitzel- oder Laubhaufen umschichtet, schnell verschwinden und unter Atemschutz den Haufen da entsorgen wo er verrotten kann.
- Nachtrag 05.05.2014: Werden Laufenten zahm? Jein! Zahm nicht, höchsten fehlgeprägt. Laufis sind sehr vorsichtig im Umgang mit uns Menschen. Sie halten gerne wenigstens einen Sicherheitsabstand von 2m ein um uns nicht zu stressen. Werden Laufis mit der Hand aufgezogen, können sie zu echten Nervensägen werden. Ich hatte so einen Erpel in der Nachbarschaft, der war nicht lustig! Diese Enten sind auf Menschen geprägt und halten uns für gleichberechtigte Herdenmitglieder. Schlecht wenn man dann die letzte Ente ist...
- Wie alt werden Laufenten? Laufis werden ca. 10 Jahre alt. Es gab auch Leute, bei denen sie 12 Jahre alt wurden.
Entgegen meiner ursprünglichen Auffassung, dass Federn und Gehirn irgendwie nicht gleichzeitig an/in ein Geschöpf passen wollen, bin ich da mittlerweile schon ganz anderer Meinung. Enten sind nämlich schlau.

So, ich hoffe, ich konnte Dir damit etwas weiter helfen. Wenn Ihr Fragen habt, dann gerne her damit!

Noch was: Die Enteneier sind so groß wie Hühnereier und leicht hellgrün. Man sollte sie NICHT WASCHEN damit die Kutikula das Innere schützt. Man kann die Eier entegen alten Geschichten getrost essen. Sie haben ein großes Dotter und zäheres Eiweiß als Hühnereier. Der Geschmack ist subjektiv "eiiger".
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.05.14, 14:04 von Lemon.)
Herzliche Grüße, Lemon
Genügsamkeit - sie ist der Schlüssel für die Zukunft der Menschheit.

