27.03.13, 21:28
Ich will beim Thema Discounter mal etwas weg von den Rosen kommen. Ich hab ja lange Jahre im Gartenbau gearbeitet, sowohl in der Produktion, als auch als LKW-Fahrer und hab da einiges erlebt, was wohl auf alle Produkte, also auch auf Rosen übertragbar ist.
In unserer Gärtnerei wurde die Qualität sehr genau sortiert. Die besten Pflanzen waren für den eigenen Blumenladen/den Wochenmarktstand, danach wurde sortiert, wieviel die Kunden zu zahlen bereit waren. Wer am wenigsten zahlte bekam Schrott, den ich nie kaufen würde. Da hieß es dann schon mal: Die Qualität bekommt Ed.ka, die schlechtere O.i und die ganz schlechte N.rma. Ich bin überzeugt, daß dieses Produzentenverhalten weitverbreitet sein dürfte, auch bei Rosenvermehrern.
Die Discounter versuchen immer die Preise zu drücken, so daß Gärtner kaum noch rentabel produzieren können. Anfang 2004 sagte der Einkäufer bei D.hner zu meinem damaligen Chef: "Die Qualität ist ja gut, aber nächstes Jahr können wir nicht mehr soviel zahlen." Dabei bekam mein Chef schon fast weniger, als die Produktion kostete. Es gab kein nächstes Jahr. In der Gärtnerei, in der ich danach war, die größere Mengen produzierte, war der Kostendruck noch größer. Daher spielte Qualität kaum mehr eine Rolle, sondern Stückzahlen, die dann in Massen billigst rausgehauen wurden, damit die Discounter ihre Billigstpreise anbieten konnten. Dieser Gärtner machte nicht ganz zu, sondern beendete nur die Produktion für den Großhandel, aber drei von vier Gärtnergesellen wurden entlassen, darunter eben auch ich.
Der Gartenbau geht immer mehr in ganz bestimmte Richtungen: 1. Die Massenproduzenten ohne große Qualitätsansprüche, die die Discounter beliefern, wo es dann wirklich zum Glücksfall wird, was gutes zu kaufen. 2. Die Spezialisten, die sich nur einen Schwerpunkt erwählen und da dann eine große Vielfalt anbieten (z.B. Kräutergärtner mit Dutzenden Sorten und Arten einzelner Gattungen (53 Thymiane oder 34 Rosmarine...), die aber nie an den Großhandel liefern. 3. Die kleinen lokalen Gärtner, die im eigenen Blumenladen oder auf dem Wochenmarkt ohne Zwischenhandel ihre eigene Produktion verkaufen, vielleicht auch zukaufen, aber dann auf Qualität achten.
Gerade deshalb, weil mein Arbeitsplatz bereits zweimal durch die Preisdrückerei von Discountern und Großhändlern vernichtet wurde, kaufe ich bei den ganzen Discountern nie Pflanzen und Blumen (zumal ich einen Blick für Qualität habe). Allenfalls mal im Gartenfachmarkt, dann aber mit Grummeln im Bauch, weil auch die die Preise drücken.
Hinzufügen muß ich noch, daß die Löhne im Gartenbau miserabel sind und ein Alleinverdiener eigentlich keine Familie ernähren kann, sondern fast schon staatliche Zusatzleistungen beantragen muß. Und das, obwohl die Arbeitsbelastung oft extrem ist. Ich bin froh, daß ich den Gartenbau verlassen habe und in der Metallindustrie gelandet bin (nach 26 Jahren als Gärtner), wo ich jetzt unter wesentlich besseren Bedingungen wesentlich mehr verdiene und wenigstens meine Familie halbwegs anständig versorgen kann.
So, das mußte zu diesem Thema einfach mal raus...
Liebe Grüße,
Martin
In unserer Gärtnerei wurde die Qualität sehr genau sortiert. Die besten Pflanzen waren für den eigenen Blumenladen/den Wochenmarktstand, danach wurde sortiert, wieviel die Kunden zu zahlen bereit waren. Wer am wenigsten zahlte bekam Schrott, den ich nie kaufen würde. Da hieß es dann schon mal: Die Qualität bekommt Ed.ka, die schlechtere O.i und die ganz schlechte N.rma. Ich bin überzeugt, daß dieses Produzentenverhalten weitverbreitet sein dürfte, auch bei Rosenvermehrern.
Die Discounter versuchen immer die Preise zu drücken, so daß Gärtner kaum noch rentabel produzieren können. Anfang 2004 sagte der Einkäufer bei D.hner zu meinem damaligen Chef: "Die Qualität ist ja gut, aber nächstes Jahr können wir nicht mehr soviel zahlen." Dabei bekam mein Chef schon fast weniger, als die Produktion kostete. Es gab kein nächstes Jahr. In der Gärtnerei, in der ich danach war, die größere Mengen produzierte, war der Kostendruck noch größer. Daher spielte Qualität kaum mehr eine Rolle, sondern Stückzahlen, die dann in Massen billigst rausgehauen wurden, damit die Discounter ihre Billigstpreise anbieten konnten. Dieser Gärtner machte nicht ganz zu, sondern beendete nur die Produktion für den Großhandel, aber drei von vier Gärtnergesellen wurden entlassen, darunter eben auch ich.
Der Gartenbau geht immer mehr in ganz bestimmte Richtungen: 1. Die Massenproduzenten ohne große Qualitätsansprüche, die die Discounter beliefern, wo es dann wirklich zum Glücksfall wird, was gutes zu kaufen. 2. Die Spezialisten, die sich nur einen Schwerpunkt erwählen und da dann eine große Vielfalt anbieten (z.B. Kräutergärtner mit Dutzenden Sorten und Arten einzelner Gattungen (53 Thymiane oder 34 Rosmarine...), die aber nie an den Großhandel liefern. 3. Die kleinen lokalen Gärtner, die im eigenen Blumenladen oder auf dem Wochenmarkt ohne Zwischenhandel ihre eigene Produktion verkaufen, vielleicht auch zukaufen, aber dann auf Qualität achten.
Gerade deshalb, weil mein Arbeitsplatz bereits zweimal durch die Preisdrückerei von Discountern und Großhändlern vernichtet wurde, kaufe ich bei den ganzen Discountern nie Pflanzen und Blumen (zumal ich einen Blick für Qualität habe). Allenfalls mal im Gartenfachmarkt, dann aber mit Grummeln im Bauch, weil auch die die Preise drücken.
Hinzufügen muß ich noch, daß die Löhne im Gartenbau miserabel sind und ein Alleinverdiener eigentlich keine Familie ernähren kann, sondern fast schon staatliche Zusatzleistungen beantragen muß. Und das, obwohl die Arbeitsbelastung oft extrem ist. Ich bin froh, daß ich den Gartenbau verlassen habe und in der Metallindustrie gelandet bin (nach 26 Jahren als Gärtner), wo ich jetzt unter wesentlich besseren Bedingungen wesentlich mehr verdiene und wenigstens meine Familie halbwegs anständig versorgen kann.
So, das mußte zu diesem Thema einfach mal raus...
Liebe Grüße,
Martin
