12.07.19, 20:57
(12.07.19, 19:23)Gudrun schrieb: wir gingen zusammen irgendwo essen, sie ließ ihn in ihrem Auto zurück.
Als sie wiederkam, hat er sie in die Hand gebissen - musste behandelt werden.
Sie war zu uns Kindern immer sehr streng, bei dem Hund konnte sie das offenbar nicht sein.
Meine Mutter liebte ihren Dackel auch heiß und innig, kaufte sich seinetwegen ein Doppelbett - und fand sich eines nachts dann doch mit gebrochenen Knochen auf dem Fußboden wieder: er hatte sie aus dem Bett gedrängt. Mir war das eine Lehre: wenn meine Kötis im Bett zu aufdringlich werden, ziehen sie sehr schnell freiwillig um in ihr Körbchen...
Als ich 1,5 Jahre nach der Geburt des zweiten Kindes mitten auf der Straße mit einem Blinddarmdurchbruch zusammengebrochen war, kam sie zur Versorgung der Kinder, während ich im Krankenhaus war. Beim Einkaufen mit Kindern riss sich mein Sohn von ihrer Hand los und rannte auf die viel befahrene Straße. Gleichzeitig verlor Oma die Leine des Dackels, der hinter dem Kind herrannte. Sie rettete ihren Hund vor einem herankommenden Lkw, ein geistesgegenwärtiger Passant konnte noch knapp das Kind vom Lkw wegreißen. Die Frage, warum sie sich erst um den Hund und nicht um das anvertraute Kleinkind gekümmert habe, konnte sie nicht beantworten. Sie schwieg entsetzt mit weit aufgerissenen Augen.
Wenn man mit einem Hund zusammenwächst, dann können sehr enge Beziehungen entstehen, in denen die Führungsposition nicht mehr klar zutage tritt. Wenn dem zugehörigen Menschen das nicht bewusst ist, kann es problematisch werden. Vor ein paar Wochen habe ich bei Dodo etwas beobachtet, das Gudruns Schilderung ähnelt: er hat ja nicht gerade unerhebliche Probleme damit, sich unterzuordnen. Ich war längere Zeit unterwegs gewesen und dann auch noch mit Auto ausladen beschäftigt, während er im Wohnzimmer eingesperrt blieb, weil die Tür zur Straße offenstand. Irgendwie hat er sich die Tür aufgemacht, rannte empört kläffend auf mich zu, mit Abstand an mir vorbei und raus über die Straße hin zur Feuerwehr. Es war Feierabendverkehr, ich hatte Schwierigkeiten, über die Straße zu kommen, wollte aber unbedingt verhindern, dass er wieder alleine und ohne erkennbar auf den Verkehr zu achten, zu mir zurückkommt. Kaum war ich drüben, begann er ein infames Fangen-Spiel mit mir: immer andeutend, dass er jetzt wieder über die Straße rennt. Da donnerte ein schwerer Lastzug heran und ich schrie entsetzt und entnervt nur: "Nein!!!" Er machte eine Biege weg von der Straße, rannte mit Abstand an mir vorbei, kläffte mich dabei kurz an und bog in eine Nebenstraße ab. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass er mich mit diesem Verhalten bestrafen wollte.
Aufrichten, tief Luft holen, Unaussprechliches denken und dann möglichst gelassen zur Seitenstraße schlendern, einen erschreckten Autofahrer besänftigen und um Hilfestellung bitten: in Sichtweite des Hundes stehen bleiben und sich mit dem Mann unterhalten - scheinbar ohne sich noch weiter für den Ausreißer zu interessieren. Der registrierte erstaunt das Desinteresse und beschloss, sich in Erinnerung zu bringen: kam, machte bilderbuchmäßig "Sitz!" und ließ sich widerstandslos unter den Arm klemmen. Dank an den Autofahrer und dann folgte meine Schimpfkanonade, während ich Dodo sicher nach Hause brachte - und den Rest des Tages nicht mehr mit ihm sprach. Ich war sauer. Richtig sauer. Und er: fühlte sich sehr unwohl in dieser Situation. Er hat seither auch nicht nochmal versucht, sowas zu machen.
Zu Zeiten meiner und Gudruns Mutter war das Reflektieren der Beziehung zum eigenen Hund (und umgekehrt) noch ziemlich unüblich. Frauchens Hundchen war i.d.R. das Hätschelkind, nachdem die eigenen Kinder längst eigene Wege gingen. Motto: "Der jüngste Familienzuwachs hat immer vier Pfoten" - und da hat z.B. ein Dackel schnell Oberwasser.
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