26.07.19, 16:31
(26.07.19, 15:15)Cornelssen schrieb: Hundeschulweisheiten, die oft auf Junghunde zugeschnitten sind, waren vielfach unbrauchbar. Ebenso Vorstellungen aus Brehms Zeiten, welche Rolle "dem Hund" oder "der Katze" zuzuweisen sei. Vieles davon ist Produkt menschlicher Überheblichkeit und hat mit den adressierten Tieren de facto herzlich wenig zu tun. Was hilft, ist ein Sammelsurium aus Wissen über die Tiere und ihre Verhaltensweisen, eigene Beobachtung: "Was davon macht mein Tier, macht es nicht/anders?" Warum tut es das? Was will ich? Passt das, was ich gerne hätte, mit dem zusammen, was das Tier will? Wenn nicht, heißt es Kompromisse schließen. Der Weg dahin geht nicht nur über Lehrbücher und Hundeschulen, er geht vor allem über unsere Zuwendung und Empathie. Das ermöglicht Kommunikation und dann klappt plötzlich ganz viel. Wichtig ist vor allem, dass Tiere uns vertrauen, die Erfahrung machen, dass sie sich auf uns verlassen können. In der Regel geht ein Hund dann für einen durchs Feuer.
Und wenn ich trotzdem schimpfe "Saubeutel!" dann ist das bei aller vordergründigen Wut doch immer mit einem inneren Lächeln verbunden: "Das kriegen wir noch hin, auch wenn es Dir im Moment noch nicht passt!" Das wird (fast) alles, dauert nur und setzt voraus, dass wir unsere Tiere spüren lassen, dass wir sie achten und wertschätzen, als Partner verstehen. Denn vom Partner darf ich erwarten, dass Geben und Nehmen auf Gegenseitigkeit beruht - und beidseitige Verantwortung.
Inse, Du sprichst mir aus der Seele. Und ich glaube und hoffe allen hier, die ein Tier aus dem Tierschutz aufgenommen haben.
Ich kann aus Teetrinkerins Beitrag nicht fehlende Dankbarkeit lesen, im Gegenteil. Genau wie Du im letzten Absatz schreibst, es bringt einen manchmal an den Rand der Verzweiflung und nützt ja auch nichts, das schönzureden. Aber wofür steht man denn all die harten Zeiten durch, wenn nicht aus Liebe und Dankbarkeit? Dass man sich bei einem extrem anstrengenden Hund, vor allem wenn man damit vorher keine Erfahrung hatte und noch mit Kindern im Haushalt, professionelle Hilfe holt, ist doch ok. Das hat ja nichts mit fehlender Liebe zu tun.
Ich persönlich bin von Hundeschulen geheilt, meiner Kleinen hat das nicht gutgetan, aber das zu erspüren muss man auch erst (mühsam) lernen. Und kann man natürlich nicht alle Hundeschulen in einen Topf werfen.
Meine Hunde sind eben wie sie sind, ich habe gelernt, sie so zu akzeptieren, aber man muss auch klar sagen, dass einige Eigenschaften mein Leben durchaus beeinflussen, um nicht zu sagen, einschränken. War das Leben mit dem vorherigen Hund geprägt von Spiel, Spaß, Spannung, großen fröhlichen Hundetreffen mit vielen netten Hundeleuten und langen, entspannenden Spaziergängen mit Freilauf, ist es jetzt komplett umgekehrt, die Spazierrunden eingeschränkt (kein Wald, keine anderen Hunde, weite Sicht), keine Hundefreunde mehr, keine netten Treffen mit Gleichgesinnten.
Trotzdem würde ich die zwei um nichts in der Welt eintauschen, aber ich kann jeden verstehen, der solche Dinge aktiv in Angriff nimmt und habe riesen Respekt davor, wie Du, liebe Teetrinkerin, Dich um Cassy bemühst.

